Ausstellung | Out of Paris

Claudia von Funcke  I  Carlo Nordloh  I  Katinka Theis  I  Ulrich Vogl
24.01. – 24.04.2022

Nach der zurückliegenden Ausstellung zur französischen Plakatkunst zwischen 1880 und 1900, die einen vertieften Einblick in die Alltagsrealität der französischen Hauptstadt im ausgehenden 19. Jahrhundert ermöglichte, schließt sich unter dem Titel „OUT OF PARIS“ eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst an, die sich ebenfalls der Metropole Paris widmet.

Vier in Berlin lebende Künstler:innen haben bei Aufenthalten in der französischen Hauptstadt intensiv an der visuellen Verarbeitung ihrer Eindrücke gearbeitet. Es entstanden Werkgruppen, die es mit sehr unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen unternehmen, dem genius loci auf die Spur zu kommen. Gezeigt werden Werke, die den Medien Zeichnung, Fotografie, Video, Klang und Skulptur zuzuordnen sind.

Die Fragestellung, die hinter den sehr unterschiedlichen Herangehensweisen steht, lautet: Inwieweit kann ein Mensch, der nur für einen begrenzten Zeitraum in einer fremden Stadt lebt, sich dieser mit all ihren Stimmungen, ästhetischen Gestaltungen oder urbanen Ausprägungen nähern, um ein subjektiv möglichst stimmiges Zeugnis der eigenen Faszination abzugeben? Welcher Aspekt einer Großstadt ist für die einzelnen Künstler:innen besonders prägend? Welches Paris konnte und wollte porträtiert werden?

Die Ausstellung „OUT OF PARIS“ vereint künstlerische Annäherungen an einen Ort und untersucht unterschiedliche Faktoren, die die Stadt aus künstlerischer Sicht interessant macht. Alle Beteiligten haben als in Deutschland lebende Künstler:innen eine längere Zeit in Paris verbracht und sich dabei – in verschiedenen Medien – auf die Suche nach der Essenz, dem Charakter und dem schwer zu definierenden „je ne sais quoi“ der Seinemetropole gemacht. Die Frage, die die Ausstellung beantworten möchte lautet: Kann man in einer zunehmend digital vernetzten und scheinbar nivellierten globalisierten Welt noch den Genius Loci einer Weltstadt aufspüren?

Claudia von Funcke, geboren 1966 in Kiel, studierte Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften und Bildhauerei in München und Architektur an der Architectural Association in London. Sie arbeitet im Bereich Objekt, Fotografie und Multimedia-Installation. Ihre Arbeiten befassen sich u.a. mit Naturwissenschaften und dem transitorischen Mechanismus moderner Städte. Sie hat mehrere Preise gewonnen und stellt international aus.
claudiavonfuncke.de

Die Videoinstallation "Poésie radicale" von Claudia von Funcke zeigt Paris als offenes multimediales Kunstwerk mit dem unvollkommenen Blick des Fremden, konstruiert wie ein modernes Gedicht oder ein "Nouveau Roman": ohne roten Faden, ohne sich geografischen oder chronologischen Zwängen oder gar wertenden Hierarchien zu unterwerfen. Paris, la ville lumière, wird auf einzelne Panele projiziert, demontiert und dekonstruiert. Die Stadt wird zum Ereignis, zum Raum in Bewegung, wird zu einer Werkstatt für potentielles und paralleles Leben, durch die der zeitgenössische Flaneur wie durch seine eigene selektive Wahrnehmung hindurchwandern kann.

Carlo Nordloh, geboren 1966, ging in Bremen und Ohio, USA, zur Schule, hat in Berlin und Dublin Englisch und Bildende Kunst studiert, in Shanghai als freier Künstler gearbeitet und in Paris unterrichtet. Er arbeitet seit 1996 als Lehrer in Berlin-Kreuzberg und seit 2006 als freier Künstler mit der chinesischen Künstlerin Sharky Zhi im Kunstteam CarloSharkArt zusammen. Carlo Nordloh lebt und arbeitet in Berlin-Neukölln.

Vier Skizzenbücher füllte Carlo Nordloh in seiner Zeit als Austauschlehrer an der Hochschule für angewandte Künste „Ecole Boulle“ in Paris 2014/15. Arbeiten aus den Skizzenbüchern werden mit Leinwandarbeiten, Fotos in der Nacht und Zeichnungen auf Papier und gesammelten Baguettetüten präsentiert. Viel entstand direkt vor Ort, nur wenige Ausnahmen wie die Nacht-Skizzen wurden in seiner kleinen Wohnung in Paris erstellt. Seine Skizzen fangen das Geschehen und die Stimmung im Augenblick des schnellen zeichnerischen Festhaltens ein und kommentieren es mit jener liebevollen Neugierde und jenem Erstaunen, das seinen Linien innewohnt. Jedes Bild erfasst einen Moment in der Stadt, erzählt eine Geschichte. 

Katinka Theis studierte 1996 – 2000 Bildhauerei an der Alanus Hochschule, Universität für Kunst und Gesellschaft Bonn. 2007 bis 2009 absolvierte sie den Masterstudiengang "Raumstrategien" an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und stellt seitdem national und international aus und entwickelt Projekte im öffentlichen Raum. Sie untersucht dabei die Wirkungsweise von architektonischen Räumen und spürt Machtverhältnissen nach, die sich durch monumentale Strukturen in städtebaulichen Situationen und überdimensional großen Landschaften ausdrücken.
katinkatheis.de

Die gezeigte Arbeit „Off-site meeting with genius loci“ ist während eines einjährigen Stipendienaufenthalts in der Cité Internationale des Arts in Paris 2020 entstanden. Die Serie besteht aus einer Reihe von Raumuntersuchungen zu brutalistischer Architektur in Paris. Die Objekte, die auch als Modelle betrachtet werden können, sind für ausgewählten Orte geschaffen und so gebaut, dass sie sich in die architektonische Situation wie ein neues Modul einfügen lassen. Dabei werden architektonische Elemente in freie Formen umgewandelt und temporär Bestandteil der jeweiligen Raumsituation. Auf diese Art und Weise wurden Dialoge mit unterschiedlichen Architekturen im Pariser Stadtraum geführt, die nun in Form von Objekten und Fotografien präsentiert werden.

Ulrich Vogl wurde 1973 in Kaufbeuren/Allgäu geboren und lebt seit 1999 in Berlin, unterbrochen durch längere Auslandsaufenthalte in Paris, Florenz, Mailand, Chicago, New York, Dublin, Montpellier und Tel Aviv. Ulrich Vogl studierte Bildende Kunst an der School of Visual Arts in New York, an der Universität der Künste Berlin UdK und an der Akademie der Künste München. Vogls Arbeiten wurden bislang weltweit und in über 30 Einzelausstellungen in Europa gezeigt. Er hat zahlreiche Stipendien und Preise erhalten und seine Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen in Deutschland, Italien, Polen, Griechenland, Irland und Spanien.
ulrich-vogl.de

Ausgangspunkt der Arbeit von Ulrich Vogl ist seine Faszination für Alltagsgegenstände und Orte, ihren Geschichten und Stimmungen. Bei den Gegenständen handelt es sich meist um solche, die heute immer mehr an Bedeutung verlieren. Sie werden entweder integriert wie sie sind, umgestaltet oder sie sind nur noch als Referenz vorhanden. Immer sind sie Teil eines spielerischen, experimentellen und konzeptionellen Prozesses, an dessen Ende ein auf das Wesentliche reduziertes Werk steht, während das spielerische Making-of sichtbarer Teil der Arbeit bleibt. Sein bevorzugtes Ausdrucksfeld sind Installationen, Skulpturen und Wandarbeiten. Manche davon sind beweglich, einige arbeiten mit Schatten und Projektionen, oft sind sie filmisch oder zeitbasiert, low-tech, einige wenige produzieren Klang. Manche sind nicht mehr als eine leicht veränderte Version des ursprünglichen Objekts. Sie können winzig oder groß, nach innen gerichtet oder raumgreifend sein. Wenn die Arbeiten funktionieren, sind sie für den Künstler „Erkenntnisgewinnkatalysatoren“.

Kuratierung: Dr. Martin Steffens

 

Eintritt 5 €, erm. 3 € (Kombiticket Sonderausstellung und Dauerausstellung)

 

Bitte beachten Sie, dass Sie zum Ausstellungsbesuch einen 2G-Nachweis (vollständiger Impfschutz oder erfolgte Genesung) vorlegen und bitte vorab ein Zeitfenster reservieren. Das Tragen einer FFP2-Maske und das Einhalten der Abstandsregelungen in den Ausstellungsräumen ist verpflichtend. Bitte beachten Sie die Hinweise auf unserer Website zu möglichen weiteren Regelungen in Bezug auf die Pandemie

Zeit:

25. Januar 2022, 12:00 – 24. April 2022, 18:00 Uhr

Ort:

Schloss Britz
Alt-Britz 73
12359 Berlin